Mut zu schöpfen, Vertrauen!
Es existieren mehrere deutsche Übertragungen, etwa von: Martin Luther 1524, Heinrich Bone 1847, Friedrich Dörr 1969 – Gustav Mahler vertonte die lateinische Fassung in seiner 8. Sinfonie.
Hier folgt nun die Fassung der alten Allgäuer Bäuerin Cäcilia Bader, die durch die besondere Anmut und Kraft einer ganz und gar unverstellten Schlichtheit überzeugt.
Heile, was verwundet ist
Wasche, was beflecket ist
Lenke, was da irre geht
Beuge, was verhärtet ist
Tränke, was da dürre steht
Stärke, was da schwächlich ist
Wärme, was erkaltet ist
Tröste den, der Tränen weint
Mach dir unser Herz bereit
Dring in unsre Seelen ein
Oh du Licht der Seligkeit
Ohne deinen Gnadenschein
steht der arme Mensch allein
kann nicht gut und sicher sein
Gib uns deiner Gnadenkraft
Gib Verdienst in dieser Zeit
und dereinst die Seligkeit
nach vollbrachter Wanderschaft.
Amen
Cäcilia Bader
Lichtschule
Die Leuchtkraft der Diamanten
entsteht unter hohem Druck.
Die Gesetze sind zu alt, als dass
wir sie ändern könnten.
Es ist uns zuzumuten.
Denen, die beizeiten den Weg
ausleuchten müssen.
Lea Morrien
Stimmsignale
Gestammeltes Stückwerk, das Leben in Sicht zu singen.
Einst traf es sich, dass eine Frau und ein Mann den Raum einer kleinen und versteckt gelegenen Synagoge tönend erkundeten. Ihre stimmlichen Resonanzen fingen sie ein.
Um diese später auf die Straße zu tragen. Wo hören kann, wer will, was sich sonst unbemerkt im Hinterhof einer rheinländischen Kleinstadt zugetragen hätte. An diesem 11.11. in Stommeln.
Sinnsuchendes Sehnen, kauerndes Wispern, aufmüpfiges Schnipsen, brummbäriges Lauern, beschwörender Schwall, erschauerndes Ahnen, wirrwarrer Klang, weiß was.
Anmerkung:
Inspiriert durch Max Neuhaus, dessen „Time Pieces” seit 2007 auf dem Stommelner Markt dauerhaft ein Klangsignal setzen für die Synagoge. Die hier zu hörenden Stimmsignale zweier Unbekannter datieren vom 11. November 2008.
Anrufung
Ein Gebet, das uns ermutigt, entschieden zu handeln, wenn die Zeit dafür reif ist.
Anruf
Mein Gott, du bist kein Gott der
Weichheit, des Wortes und des Weihrauchs,
kein Gott der Vergangenheit. Ein Gott
der Allgegenwart bist du. Ein fordernder
Gott bist du mir. Du heiligst mich mit
deinem “Du sollst”; du erwartest meine
Entscheidung zwischen Gut und Böse; du
verlangst, dass ich beweise, Kraft von
deiner Kraft zu sein, zu dir hinauf
zu streben, andere mitzureißen, zu
helfen mit allem, was ich vermag.
Fordere, fordere, damit ich jeden
Atemzug meines Lebens in meinem
Gewissen fühle, es ist ein Gott.
Bertha Pappenheim
(1859-1936)
Hinweis: Das Gebet hat die Gründerin des Jüdischen Frauenbundes 1935, im Jahr der Nürnberger Rassegesetze, geschrieben. Gestern las ich von einem Lesbenpaar, das in Berlin niedergeschlagen wurde und dann mit roter Farbe besprüht. (epd-Meldung in der taz vom 27.10.2008)
Mutter unser
Ein Gebet, das wir brauchen, wenn wir bei Trost bleiben wollen.
Gegrüßet seist du Maria
voll der Gnade
geheiligt werde dein Name
dein Reich komme
dein Wille geschehe
wie im Himmel
so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung
sondern erlöse uns von allem Zweifel.
Denn dein ist das Reich und die Schöpfungskraft
in Ewigkeit.
Amen.
